Weckruf Demenz

Autor: Marc Brandstätter, BScN

Die Anzahl alter und sehr alter Menschen nimmt eindeutig zu (Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz [BMASK], 2009). Am 1.1.2018 waren in Österreich 1.646.992 Menschen 65 Jahre oder älter. 1.019 Menschen waren zu diesem Stichtag mindestens 100 Jahre alt (Statistik Austria, 2018).

Altern für sich stellt keine Erkrankung dar, jedoch kann das Alter ein Risikofaktor für Gesundheitsprobleme sein. Insbesondere in der Gruppe der Hochaltrigen besteht das Risiko der Pflege- und Behandlungsbedürftigkeit (BMASK, 2009). Das hat zur Folge, dass Akutkrankenhäuser zukünftig einen noch größeren Anteil an alten Menschen betreuen und behandeln müssen (Fischer, 2012).

Mit zunehmendem Lebensalter steigt auch das Risiko an einer Demenz zu erkranken, das erhöhte Lebensalter stellt somit einen der wichtigsten Risikofaktoren dar, an einer Demenz zu erkranken (Gatterer & Croy, 2005). Nach aktuellen Schätzungen leben rund 100 000 bis 130 000 Menschen mit einer dementiellen Erkrankung in Österreich. Prognostisch ist für das Jahr 2050 von einer Verdoppelung der Erkrankten auszugehen, so ist mit 230 000 bis 260 000 Menschen, die dementiell erkranken werden, zu rechnen (Höfler, Bengough, Winkler & Griebler, 2015; Österreichische Alzheimer Gesellschaft [ÖAG], 2018).

Krankenhauseinweisungen stellen für ältere Menschen eine besondere und häufig kritische Situation dar, vor allem wenn die Aufnahme nicht geplant war. Eine ungewohnte und befremdliche Umgebung, der Krankenhausstress, die anstehenden Untersuchungen, Behandlungen oder Operationen schaffen Unsicherheit und Angst. Diese Stressbelastung ist für Menschen mit Demenz nochmals verstärkt (Brandstätter, 2018; Höfler et al., 2015; Juraszovich & Rappold, 2017).

Die Versorgung von Menschen mit Demenz zeigt daher eine besondere Herausforderung, die durch die vielschichtige Symptomatik der Erkrankung entsteht. Derzeit ist der Klinikalltag kaum auf Menschen mit demenziellen Veränderungen eingestellt (Höfler, et al., 2015). Eine alters- und demenzangepasste Betreuung ist zukünftig jedoch in allen Krankenanstalten zu gewährleisten (Fischer, 2012; Juraszovich & Rappold, 2017).

Zusammenfassend ist nochmals hervorzuheben, dass die Gruppe der hochbetagten und dementiell veränderten Patienten weiter zunimmt und die Spitäler mit ihren Mitarbeitern nicht ausreichend auf diese vulnerablen Gruppen vorbereitet sind. Mit diesen Überlegungen entsteht ein eindeutiger Handlungsbedarf für die Träger und Mitarbeiter von Krankenanstalten. (Fischer, 2012; Juraszovich & Rappold, 2017; Kapeller, 2011).

Versorgungseinheiten, die nicht ausreichend auf die Bedürfnisse von Menschen mit Demenz eingestellt sind und diesen nicht adäquat begegnen können, bergen ein erhebliches Risiko für diese Patientengruppe. Somit ist eine demenzsensible Ausrichtung auch in Kliniken unerlässlich (Pinkert, 2014). Aber nicht nur Krankenhäuser sind von dieser Thematik betroffen, sondern auch die Gesellschaft und die Politik stehen vor einer ihrer größten sozialen und kulturellen Herausforderungen in der Gegenwart (Höfler, et al., 2015).

Aufgrund der Brisanz und Aktualität des Themas „Demenz im Akutkrankenhaus“, werden in den kommenden Ausgaben der Integrativen Pflegen Fachbeiträge dazu veröffentlich werden.

Literatur