2019 – mein Jahr der Jubiläen

Autorin: Maria Riedl

Wenn ich meinen Eigenzustand beschreibe, fällt mir ein: Bald 65 Jahre und kein bisschen leise! Mein Diplomjahrgang 1974, also vor 45 Jahren, verrät allen Lesern mein Lebensalter. In der Tat ist es so, dass ich im November meinen 65. Geburtstag feiere. Nein, ich feiere nicht, weil ich Geburtstagsfeiern nie wollte.

Schaue ich aber zurück auf mein berufliches Wirken – so habe ich für mich persönlich Erfreuliches vorzuweisen – eine sehr positive, erfolgreiche berufliche Bilanz – die ich mit den Lesern feiern möchte.

1984 hat mich mein beruflicher Weg nach St. Veit in die Psychiatrische Sonderpflege geführt. In dieser Zeit wurde das Flämmchen für die Begleitung alter und psychisch kranker Menschen entzündet. Von meinem damaligen Lehrer Ernst Viertler wurden meine ersten gewagten Schritte tatkräftig unterstützt. Ich wage zu behaupten, dass Ernst mein einziger Kollege war, der mich verstand – ich war mit den pflegerischen Angeboten der achtziger Jahre nicht zufrieden.

Ich suchte weiter und so kam es, dass ich 1986 in das damals so benannte Sonderkrankenhaus St. Veit wechselte. Wieder zweifelte ich daran, ob die Leistungen der Pflege für alte Menschen reichte. Für meine Vorstellungen reichten sie nicht. Mein Weg der Veränderung begann. 1989 übernahm ich die Leitung der Internen Abteilung Parterre. Diese Position ermöglichte mir, meine Vorstellungen von Altenpflege umzusetzen.

Nach einigen, bedingt durch meine damalige Jugend, ziemlich gewagten pflegerischen Vorschlägen für die 80-90er Jahre, wurde ich 1989 vom ÖGKV Salzburg geladen, von meinem Wirken in St. Veit an der Internen Abteilung Parterre zu erzählen. Nach außen hin konnte das Team der Abteilung viel Bewunderung für die tägliche Pflegearbeit erfahren. Im Haus selber wurde gegen neue Ideen gekämpft.
1989 lernte ich auch Erwin Böhm kennen. Sein Appell an mich „Wenn du mit alten Menschen arbeitest, musst du deine Haltung ändern” begleitet mich bis heute.

1989 durfte ich auch Naomi Feil persönlich kennenlernen. Ihr Auftrag „versuchen in den Schuhen des anderen zu gehen” stellte mich wieder vor neue Herausforderungen. In Lehrbüchern konnte ich bis in die 90er Jahre wenig Brauchbares über gute Konzepte lesen. So wird wohl im Unterbewusstsein der Wunsch entstanden sein, mein eigenes Konzept zu schreiben.

Ein sehr gutes Team begleitete mich auf einem fast revolutionärem Weg in St. Veit. Vieles gelang meinem Team, wir setzten innovative Maßnahmen um. Praktikanten aus dem In- und Ausland würdigten unsere pflegerischen Ansätze.
1994 wurde die Interne Abteilung Parterre vom Land Salzburg als Modellstation für reaktivierende Pflege ausgezeichnet, mein Durchhaltevermögen hatte sich gelohnt.

Also wenn ich so nachrechne, vor 30 Jahren, im selben Jahr startete auch meine Schulkarriere im heutigen Klinikum Schwarzach. Ich absolvierte dort meine Leitungsausbildung, war daher bekannt und so wurde ich damals geladen, die „Geriatrische Pflege” im zweiten Ausbildungsjahr zu übernehmen – ich tat es mit Überzeugung.

1999 konnte ich meine Ausbildung zur Gedächtnistrainerin abschließen, sie passte in mein pflegerisches Vorhaben, das Gedächtnis alter Menschen so gut wie möglich und regelmäßig zu trainieren.

Im Jahr 1994 lernte ich Andrea Kranz kennen, also eine Zusammenarbeit seit 25 Jahren. Andrea Kranz, DGKP und Leitung des Demenzbereiches im Sozialzentrum Pillerseetal, multipliziert das IPK-Wissen maximal. Sie lebt in Fieberbrunn vor, was ich in den IPK-Schulungen vortrage.
Durch die große Unterstützung von PDL Herbert Breitmayer werden neue Mitarbeiter jährlich in die IPK-Ausbildung verpflichtet. Fieberbrunn gehört zu den zertifizierten IPK-Einrichtungen.

Auch am GPZ wurde ich 1994 zum ersten Mal eingeladen. Seither bin ich jedes Jahr ein- bis zweimal mit diversen Themen rund um den alten Menschen zu Gast. Heuer konnte ich am GPZ das 25-Jahr-Jubiläum feiern. In dieser Zeit lernte ich Martin Achenrainer und Gerhard Wackernell kennen, die mit ihren Teams bis heute in Telfs und Seefeld das IPK umsetzen.

1998, nachdem ich meine Pflegelehrerausbildung beendet hatte, führte mich mein Weg zum Unterrichten an die Universität nach Klagenfurt. Ich lernte Eva-Maria Sachs-Ortner kennen. Sie war die erste Kärntnerin, neben vielen anderen später, die meine Ideen in Kärnten umsetzte.
1999 wurde die erste Kursreihe im Marienheim in Spittal gebucht. Eine sehr erfolgreiche Zeit startete bei unseren südlichen Nachbarn. So feiern wir heuer 20 Jahre Zusammenarbeit mit dem Sozialhilfe­verband Spittal an der Drau. Dank der Heim- und Pflegedienstleitung Eva Saxer und der IPK-Lehrerin Simone Grasser wird das Integrative Pflegekonzept bestens umgesetzt. Das Marienheim ist eine nach IPK zertifizierte Einrichtung.

Leitbildarbeit im Marienheim 2008

Seit 1999 besteht auch die Zusammenarbeit mit Sigrid Krapinger. Als Pflegeassistentin im Marienheim und IPK-Lehrerin konnte sie mit ihren Vorträgen über Bezugspflege viele ihrer Berufskolleginnen begeistern. So wie Sigrid es schaffte, die Rolle in der IPK-Umsetzung als Pflegeassistentin zu besetzen, bleibt beispielhaft und einzigartig.

Eine persönliche Anmerkung zu Sigrids Unterricht möchte ich an dieser Stelle anbringen. Als Vortragender ist jeder von uns auf das Wohlwollen der Zuhörer angewiesen. Sigrid hat in meinem Beisein eine Aussage gemacht, die besonders war. In einer Veranstaltung, bei der viele jüngere Teilnehmer als sie selber zugegen waren, stieg sie nach der Begrüßung mit folgendem Lacherfolg ein: Ja, wir sind ja alle gleich alt, nämlich unter 80”. Heute wo ich selber nicht mehr zu den jungen Referenten gehöre und manchmal die fragenden Augen der Zuhörer wahrnehme, weil ich halt wesentlich älter bin als die meisten von ihnen, wird Sigrids „liebevoller Schmäh” besonders bedeutend.

Prof. DDr. Petzold am Pflegekongress Villach 2008

2004 lernte ich Prof. H. Petzold persönlich kennen. In einer regen Diskussion um mein pflegerisches Ansinnen, ein Pflegekonzept zu publizieren, schlug Prof. Petzold den Namen „Integratives Pflegekonzept” vor. Im Jahr 2006 veranstaltete der Verein AGPK mit dem Land Kärnten den Pflegekongress, bei dem Prof. Petzold als Festredner zugegen war. Meine Bücher zum Integrativen Pflegekonzept wurden bei diesem Kongress vorgestellt.

Titelbild meiner Palliativ-Abschlussarbeit

Im selben Jahr 2004 konnte ich die inter­disziplinäre Palliativausbildung in Salzburg an der Palliativakademie beenden.

2009 schloss ich mein Magisterstudium für Pflegewissen­schaft an der UMIT ab. Im selben Jahr startete ich mit dem Doktoratsstudium, das ich 2012 abschliessen konnte.

2014 wurde das Marienheim in Spittal zum ersten Mal zertifiziert. Das Marienheim wurde 2017 rezertifiziert und gehört neben dem Sozialzentrum Pillerseetal in Fieberbrunn zu den aktuell zertifizierten Heimen.

Obleute seit 2018: M. Brandstätter, C. Schwab

2018 war der Weiterbestand des IPK gut vorbereitet und der Verein AGPK wurde an Claudia Schwab und Marc Brandstätter übergeben.
Beide lernten mich als Schüler in der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Schwarzach kennen. Sie absolvierten ihr Studium an der UMIT, um die Berechtigung für das Unterrichten zu erwerben.
Sie begleiteten mich vier Jahre lang quer durch die Vortragsreihen, um für die Zukunft gerüstet zu sein. So ist das IPK und die Ausbildung für Praxisanwender über den gemeinnützigen Verein AGPK gesichert.

Als besonderes Ereignis im Jahr 2019 durfte ich das IPK vor Uniprofessoren vorstellen: Prof. Philippe Voyer, Prof. Gerhard Müller und Petra Schumacher, BScN, MScN von der UMIT in Hall in Tirol statteten dem Sozialzentrum Pillerseetal einen Besuch ab. Ich wurde zu diesem Ereignis in das Sozialzentrum Pillerseetal geladen. Die praktische Umsetzung und der theoretische Background des IPK wurde den Gästen vorgestellt.

UNI-Professoren P. Voyer, G. Müller

Die Präsentation hatte für mich neben der Ehre, mein Konzept Universitätsprofessoren zu präsentieren, auch persönliche Bedeutung. Die UMIT ist die Universität, an der ich mein Magister- und mein Doktoratsstudium abgeschlossen habe.

Das Erfreuliche bis heute: die „Pflegewelt” will mich immer noch hören.
Ich bedanke mich bei allen, die meine Ideen anhören und umsetzen!
Vor allem bei meinem Ehemann Lothar, der mich in all den Jahren ermutigte, für meinen Beruf Pflege zu kämpfen und mein Wissen durch Vorträge zu multiplizieren.

Ich entschuldige mich bei allen, die ich nicht erwähnt habe.
In diesem Artikel sind nur die Jubiläumsdaten für dieses mein besonderes Jahr 2019 angeführt.
Herzlichen Dank an alle Anwender und Förderer des IPK!
Maria Riedl