Gemeinnützigkeit der AGPK: Ein Vortrag der besonderen Art

Autor: Marc Brandstätter

Im Rahmen meiner klinischen Tätigkeit der Demenzberatung wurde ich vor einigen Monaten von einer Angehörigen angesprochen, ob ich nicht Interesse hätte, beim Pongauer Gehörlosenverein einen Vortrag zum Thema Demenz zu halten. Zu Beginn war ich kurzzeitig verunsichert und konnte mir das Ganze noch nicht so recht vorstellen.

Nach kurzer Überlegung wurde mir jedoch klar, dass auch gehörlose Menschen Informationen zur Erkrankung Demenz und vor allem im Umgang mit demenziell Erkrankten brauchen. Zudem sind auch Gehörlose pflegende Angehörige oder selber von der Krankheit betroffen oder haben Angst sie zu erleiden. Bis zu dieser Anfrage war mir das nicht bewusst bzw. dachte ich einfach nicht darüber nach und auch nicht wie wenig konkrete Angebote für diese Menschen vorhanden sind. Damit war für mich klar – ich will die Veranstaltung nicht nur machen, sondern ich muss sie auch machen!

In meiner Vorbereitungsarbeit für den Vortrag stellte sich heraus, dass wenig bis keine einschlägige Literatur zum Thema Demenz und Gehörlosigkeit vorhanden ist. Umso mehr (oder besser gesagt umso weniger) ich zum Thema in Erfahrung gebracht hatte sowie auch über den Salzburger bzw. Pongauer Gehörlosenverein, war es mir ein Anliegen, für den Vortrag kein Honorar zu stellen, sondern komplett im Sinne der Gemeinnützigkeit zu handeln.

Die Veranstaltung hat am 28.02.2020 in den Vereinslokalitäten des Gehörlosenvereins in St. Johann im Pongau stattgefunden. Bei der Ankunft war ich etwas nervös, da ich noch nie einen Vortrag dieser Art gehalten habe. Ich wurde vom Obmann Herrn Rupert Kendlbacher und einer Gebärdendolmetscherin herzlich in Empfang genommen.
Der Vortrag war sehr gut besucht, das Thema ist auf reges Interesse gestoßen: „Demenz – verstehen und begleiten“.

Insgesamt haben 23 Personen am Vortrag teilgenommen, 18 gehörlose Menschen, zwei Gebärdendolmetscherinnen, eine Beraterin des Gehörlosenvereins sowie zwei hörende Menschen, die mich begleitet haben (meine Kollegin Claudia Schwab aus dem Vorstand der AGPK und eine Pflegeperson mit Interesse am Thema, Herr Dietmar Riegler).

Anna Huber und M. Brandstätter

Der Vortrag wurde in sechs Abschnitte gegliedert. Die Gebärdendolmetscherinnen haben sich bei der Übersetzung in den einzelnen Sequenzen bzw. zu den Folien abgewechselt. Nachfolgend die grobe Einteilung des Vortrags:

  1. Hintergrund zum Thema
    Demographische Entwicklung, Prävalenz zur leichten kognitiven Beeinträchtigung und zu demenziellen Erkrankungen, Unterschied zu „normalem Altern“ und Demenz
  2. Was ist Demenz?
    Grundprinzip der Erkrankung, Demenz auch als Erkrankung des Umfeldes
  3. Grundprinzipien der Symptomatik
    „Demenz ist mehr als reines Vergessen“ – kognitive, psychische, behaviorale und körperliche Symptome
  4. Herausfordernde Verhaltensweisen
    Herausforderndes Verhalten als Teil der Demenz und als Zeichen von Leidensdruck durch die Erkrankung, Bedürfnisorientierung und Bedürfnisstillung als Maßnahmen
  5. Tipps für Umgang und Betreuung
    Kommunikation, Anpassungshilfen, Umgebungsgestaltung, Gedächtnistraining, Orientierungstraining, Beschäftigungs­angebote, Empfehlungen für den häuslichen Bereich
  6. Fragen und Diskussion
    Fragen und Diskussion in der Gruppe: Versorgungsmöglichkeiten und Unterstützung für pflegende Angehörige, Prävention, Gedächtnistraining, Aggression und Traurigkeit des Erkrankten, was ist bei 24-Stunden-Pflege im Kontext Demenz zu bedenken.
Nina Aigner und M. Brandstätter

Die Gebärdendolmetscherinnen waren beeindruckt über das große Interesse der Gruppe sowie die Frage- und Diskussionsbereitschaft. Insgesamt hat die Veranstaltung knapp über zwei Stunden gedauert.

Ich möchte mich an dieser Stelle nochmals bei der Gruppe für die Offenheit, das Interesse und vor allem für die Wertschätzung bedanken. Bei Frau Claudia Heigl möchte ich mich für die vorbereitenden Abstimmungen bedanken, die eine reibungslose Veranstaltung ermöglicht haben.

Ein besonderer Dank gilt den Gebärden­dolmetscherinnen Frau Nina Aigner und Frau Anna Huber für das gewissenhafte, genaue und hochprofessionelle Dolmetschen. Für mich persönlich war die Veranstaltung eine sehr schöne, prägende und bereichernde Erfahrung – Danke!
Ich freue mich bereits auf ein Wiedersehen und schicke allen bis dahin liebe Grüße!