Sommerfenster aus der Senioren­residenz Seefeld

Autorin: Gassler Michaela, DGKP

Zweifelsohne, kein Sommer wird dem vergangenen gleichen. Die schrittweise Öffnung der Heime im Land stellte wohl jede Pflegeeinrichtung vor besondere Herausforderungen. Neben dem Aufatmen der Angehörigen und Bewohner über die Öffnung und dem Willkommen von Therapeuten und anderen Diensten mischten anfangs auch bei uns Un­sicherheit und Sorge mit, wie sich die Situation im Heim nun entwickeln würde. Trotzdem gibt es auch aus diesem Sommer einige Highlights aus der Seniorenresidenz Seefeld zu berichten.

Unser Hochbeet

In dieser Zeit gewann unser Hochbeet, welches heuer im Frühjahr im Garten unseres Altenwohnheimes errichtet wurde, große Bedeutung.

Um das Pflanzen und die Pflege von Schnittlauch, Blattsalat, Kohlrabi und Radieschen neben blühenden Rosen kümmerte sich einer unserer Bewohner mit ganz besonders viel Einsatz. Die anderen genossen den Blick aufs Beet bei ihren Spaziergängen im Garten. Ein kulinarischer Genuss war es dann auch, wenn die Köstlichkeiten aus dem Beet von Bewohnern, Pflegepersonen und Helfern zu einem leckeren Abendessen verarbeitet wurden. So kamen zwischendurch selbstgemachte gemischte Salate, Suppen, Knödel mit Schnittlauchsauce u.v.m. auf den Tisch.

Sommergrillen mit der Köchin des Altenwohnheimes Telfs

Eine tolle Abwechslung war auch das Sommergrillen mit Gabi, einer Köchin aus der Hauptküche des Altenwohnheimverbandes Telfs, die nach Seefeld heraufkam und unsere Bewohner mit frisch gegrilltem Fleisch, Würstel und Kartoffelsalat verwöhnte. Toll, wenn die Herstellung von Speisen auch im Heim so hautnah und geruchsintensiv erlebt werden kann!

Ausflug zur Scharnitzer Alm

An einem strahlend schönen Augusttag starteten Andrea und Nicole, zwei unserer Pflegepersonen mit sieben Bewohnern am frühen Nachmittag zu einem Ausflug auf die Scharnitzer Alm.
Mit dem Kleinbus ging´s am frühen Nachmittag von Seefeld nach Scharnitz zum Cafe Länd, wo es Kaffee, Kuchen oder Eis gab. Von dort aus führte der Weg, mit dem Bus, hinein ins Tal zur idyllisch gelegenen Scharnitzer Alm, welche einige der mitfahrenden Bewohner aus früheren Jahren noch gut kennen.

Von Wirtsleuten und Gästen der Alm herzlich empfangen, verbrachten unsere Bewohner den herrlichen Sommernachmittag bei einem Glas Radler oder einem weißen Spritzer mit Blick auf die bekannten Berge des Karwendelgebirges. Ein Ausflug, der allen gut tat und dem Einen und Anderen in guter Erinnerung bleiben wird.

Brot backen – eine biografische Aktivität mit Mehrwert

An zwei Nachmittagen im Juli verwandelte sich die Pflegestation unserer Seniorenresidenz in eine richtige Brotbäckerei. Mit Begeisterung mischten und kneteten einige Bewohner den Teig, rochen an Brotgewürzen und sprachen über das Brotbacken von damals.

Brot wurde in den bäuerlichen Regionen Tirols früher in fast jedem Hof selbst gebacken. Viele Dörfer verfügten damals über „Gemeinschaftsbacköfen“ an der Straße oder am Dorfplatz. An jeweils vereinbarten Tagen wurde der Ofen „befeuert“, die Frauen brachten ihren selbstgemachten Teig und während die Brote buken, konnten auch so mancherlei Neuigkeiten getauscht werden.
Einige Frauen in unseren Pflegeheimen kennen das Brotbacken, ob gemeinsam am Dorfofen oder allein zu Hause, noch selbst. Während des Backens auf unserer Pflegestation verbreitete sich der Duft von fein gemahlenem Kümmel, Koriander, Kardamom, Fenchel und Südtiroler Brotklee im ganzen Haus, sodass auch andere Bewohner und Besucher darauf aufmerksam wurden.

Ob als Frühstücksbrote am darauffolgenden Tag mit Butter und Marmelade oder als Abendbrot (auch erst am nächsten Tag!) mit Butter und selbst geerntetem Schnittlauch oder Radieschen aus dem Hoch-Beet, das Gewürzmischbrot schmeckte den Bewohnern und uns Pflegepersonen hervorragend.

Nebenbei bemerkt zeigte sich, dass das Brot auch eine durchaus verdauungsfördernde Wirkung hatte, was in der Pflege von betagten Menschen ja auch immer wieder eine Rolle spielt.