Pflegetrauma COVID 19 – Pflege in Not

Corona Psyche

Autorin: Gassler Michaela, DGKP

Pflegetrauma COVID 19 – Pflege in Not

Michaela Gassler

Dass nicht die Bettenzahl, das Material und die Schutzausrüstung, sondern ausgerechnet die Verfügbarkeit von Pflegepersonen zum Knackpunkt einer Gesundheitskrise wird, ist zwar nicht neu, hat sich aber bisher nie so dramatisch wie in der aktuellen COVID-Situation gezeigt. Im Gegensatz zum Akutbereich, in dem zur Not ein gewisses Kontingent an Personal als Ressource freigespielt werden kann, ist das in der Langzeitpflege nicht wirklich machbar.

Die trotz getroffener Vorsichtsmaßnahmen auftretenden COVID-Infektionen im Pflegeheim stellen durch die massive Steigerung des Arbeitsaufwandes eine enorme körperliche und emotionale Herausforderung für alle Mitarbeiter dar. Der Pflegeaufwand vieler Bewohner steigt sprunghaft an, gleichzeitig ist das Team mit einem hohen Ausfall an selbst erkrankten Mitarbeitern konfrontiert.

Die dadurch nötige Reduktion von Angeboten, Tagesstruktur, Mobilisation und der Pflege auf das Nötigste ist auch für die Pflegenden selbst eine massive Belastung, und der erschöpfte, ausgebrannte Zustand am Abend des anstrengenden Pflegetages kann sich über längere Zeit traumatisierend auswirken.
In einer derartigen Ausnahmesituation ist mangels vorhandener Ressourcen an ein adäquates Begleiten und emotionales Aufarbeiten der Überbelastung meist nicht zu denken.

Ob und wie wir dieses Pflegetrauma COVID 19 jemals ausreichend aufarbeiten können, wage ich nicht auszumalen. Was uns aber aktuell im derzeit belastenden Pflegealltag helfen kann, ist:

  • Bewusst manchmal „innehalten“ (durchatmen, genug trinken)
  • Hilfreiche, entspannende Gewohnheiten pflegen (z. B: ein Bad am Abend)
  • An die „Erfolge“ denken, wir haben viel geschafft und machen es gut!
  • Sich im Team gegenseitig eine Stütze sein!
  • Gegenseitige Wertschätzung ausdrücken!
  • Eigene Grenzen anerkennen, miteinander reden!
  • Einander mitteilen, was uns persönlich hilft, mit der Situation umzugehen. (Vielleicht ist da auch ein hilfreicher Tipp für mich selbst dabei.)

Und wenn wir uns dann – in hoffentlich nicht allzu langer Zeit - wieder zu einer ersten Dienstbesprechung nach der Krise gemeinsam treffen dürfen, dann sollten wir uns bewusst Zeit nehmen, um in einem vorbereiteten Rahmen, vielleicht mit dem Entzünden von Kerzen jener Bewohner und Bekannten zu gedenken, die in der Krise verstorben sind und in kurzen Sätzen – urteilsfrei - auszusprechen, was für uns in den letzten Wochen belastend und hilfreich war.
Und dann sollten wir nicht vergessen auch zu FEIERN, dass wir gemeinsam diese schwierige Zeit nach besten Kräften gemeistert haben!