Holzprojekt Seefeld

Bau zweier Brunnentröge in der Seniorenresidenz Seefeld

Autorin: Gassler Michaela

Seniorenresidenz Seefeld - Foto: AWH Telfs

Im Rahmen der Ausbildung zum Anwender des IPK nach Maria Riedl, welches vier Pflegepersonen aus dem Pflegeteam der Seniorenresidenz Seefeld derzeit absolvieren, suchten diese nach Möglichkeiten zur Aktivierung und Reaktivierung der ihnen anvertrauten Bewohner. Gerade für Männer schien dieses Unterfangen schwierig. Da es im Team jedoch auch Pflegepersonen gibt, die früher andere Berufe wie Tischler und Landwirt erlernten und ausübten, kam der Gedanke auf, ein Holzprojekt gezielt für die männlichen Bewohner anzubieten.

Fritz, unser Landwirt im Pflegeteam, stellte mit Martin, einem ehemaligen Tischler, Baumstamm-Rohlinge zur Verfügung. Sie sägten die Stämme zu, lieferten sie an und stellten das notwendige Werkzeug, wie Hammer, Meißel, Hobel und Schleifwerkzeug zur Verfügung.
In Ermangelung eines geeigneten Raumes, der als Werkstatt dienen konnte, wurde kurzerhand entschieden, den verglasten Wintergartenbereich zwischen der Pflegestation 1 und 2 in eine Werkstatt umzufunktionieren.

Mit Interesse und vollem Elan ans Werk! - Foto: AWH Telfs

Wir waren gespannt auf die Reaktion unserer Bewohner. Was würde wohl daraus werden? Wer würde mitmachen? War es nicht zu gefährlich? Würde sich jemand verletzen? Wie lange würde das Projekt dauern? Konnten wir als Pflegepersonen die Bewohner auch alleine werken lassen? Viele Fragen und erwartungsvolle Neugier erfüllten uns.

Doch kaum waren die Rohlinge aufgestellt, da weckten sie schon das Interesse von zwei Bewohnern. Der eine, Hermann, ein ehemaliger Tischlermeister mit eigenem Betrieb, der seit seinem Heimeinzug vor einem Jahr kaum an Aktivitäten aktiv teilgenommen hatte, war begeistert. Auch Helmut, ein neuer Bewohner, der sich wenige Tage zuvor entschieden hatte, zu seiner Frau ins Heim zu ziehen, war sofort Feuer und Flamme. Beide begannen unter der anfänglichen Anleitung von Martin und Fritz mit der Arbeit.

Beratung mit dem ehemaligen Tischler Martin! - Foto: AWH Telfs

Und wie! Mit Begeisterung gingen sie ans Werk und zeitweise wurde es sogar schwierig, da jeder den Stamm eigentlich alleine bearbeiten wollten. Dass es zwischen Helmut und Hermann da und dort zu Auffassungs- und Meinungsverschiedenheiten über die Arbeitsausführung kam, war kaum zu vermeiden. So arbeitete nach und nach jeweils nur einer der beiden Hauptakteure an dem Projekt.

Es dauerte nur wenige Tage und die Brunnenmulde war herausgestemmt. Danach folgten das Entrinden, Hobeln, Schleifen und Verzieren. Ausdauernd waren Hermann und Helmut, oft stundenlang bei der Arbeit. Der Schweiß stand ihnen auf der Stirn, die Kleidung staubte vom Holzstaub, Rindenstücke lagen herum und der ganze Bereich duftete nach frisch bearbeitetem Holz. Die abgehobelten Holzspäne wurden zur adventlichen Dekoration auf den Pflegestationen verwendet. Und übrigens, verletzt hat sich niemand.

Verdiente Arbeitspause! - Foto: AWH Telfs

Oft kamen auch andere Bewohner hinzu und sahen zu. Frauen wie Männer, Bewohner und Besucher, Ärzte und Pfleger, wer vorbeikam, blieb stehen und staunte nicht schlecht.
Auf der roten Couch, neben dem provisorisch eingerichteten Arbeitsplatz wurde zwischendurch gerastet oder Bewunderer nahmen dort Platz. Gespräche über „alte Zeiten“ entwickelten sich, wo doch früher in der Region vor fast jedem Hof ein oder mehrere solcher Brunnentröge standen, aus denen getrunken wurde, Tiere getränkt wurden, Geschirr, Zaum- und Sattelzeug gewaschen wurde u.v.m. Wozu sollte dieser Trog nun verwendet werden? Vom Blumenbeet bis hin zum Kühlbecken für das Bier im Sommer gingen die Ideen.

Der Brunnentrog nimmt zusehends Gestalt an - Foto: AWH Telfs

Nach kurzer Zeit stellte sich heraus, dass noch ein zweiter Brunnentrog gebaut werden musste, da sich die „Besitzverhältnisse“ des ersten Werkstückes sonst nicht eindeutig klären ließen. Anfang Advent 2017 waren beide Brunnentröge, mit eingraviertem Namenszug und überwinternden Geranientöpfen geschmückt, fertig zu bewundern. Weitere „Bestellungen“ für neue Brunnentröge, von einzelnen Angehörigen, wurden bereits aufgegeben.

Aus pflegerischer Sicht sehen wir das Projekt als vollen Erfolg an. Die Auswirkungen des Projektes auf die beteiligten Bewohner und deren Umgebung lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

Die fertigen Werkstücke schmücken derzeit den Bereich zwischen den Pflegestationen. - Foto: AWH Telfs

Ein herzliches Dankeschön auch an Fritz und Martin für die Idee, die Bereitstellung der Holzstämme, des Werkzeuges und das nötige Knowhow!